So erkennst Du Deine Bedürfnisse und lernst sie zu kommunizieren

Schwierige Konflikte, Frust und Unzufriedenheit – Wenn dies keine Fremdworte für Dich sind und Du wissen willst, was Du dagegen tun kannst, lohnt es sich für Dich weiterzulesen. Erfahre in diesem Beitrag, in wie fern Deine Bedürfnisse zu unangenehmen Gefühlen und Situationen führen können. Und warum es wo wichtig ist, Deine Bedürfnisse wahrnehmen und besser kommunizieren zu können.

Was sind eigentlich Bedürfnisse?

Häufig erlebe ich in meinen Coachings, als auch in meinen Workshops und Trainings in Unternehmen, dass die wenigsten Menschen sich darüber im Klaren sind welche Bedürfnisse sie haben. Sie spüren meist nur, dass sie „irgendwie“ unzufrieden sind und ihnen einige Dinge in ihrem Leben nicht gefallen. Den Wunsch, die eigene Situation zu verbessern, äußern all meine Klient:innen. Doch wie lässt sich eine Situation verbessern, wenn ich nicht genau weiß, was mich eigentlich stört und was ich konkret verändern kann? Und vielleicht geht es Dir genauso?

Dann lohnt es sich einmal tiefer zu blicken, Deine Bedürfnisse kennen zu lernen und so zu innerer Klarheit zu gelangen. Damit Du Frust und Unzufriedenheit mühelos in Ausgeglichenheit und Leichtigkeit wandelst.

Doch was genau ist eigentlich ein Bedürfnis?

Betrachten wir einmal eine gängige Definition von „Bedürfnis“: In der Psychologie verstehen wir unter dem Begriff Bedürfnis einen Zustand von Mangel, verbunden mit dem Wunsch diesen zu beseitigen. Den Antrieb diesen Mangelzustand zu beheben wiederum, definieren wir als Motivation.

„Wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun es auch andere nicht.“ – Marschall B. Rosenberg

Ein Bedürfnis ist also auch immer etwas Notwendiges. Etwas, das nach Erfüllung sehnt, damit wir keinen langfristigen körperlichen, geistigen oder seelischen Schaden davon tragen. Ohne das zugrundlegende Bedürfnis nach Hunger, Durst oder körperliche Nähe könnten wir als Säugling nicht überleben. Damit wir auch deutlich, was ein Bedürfnis von einem Wunsch unterscheidet. Ein Wunsch bezieht sich stets auf etwas, nachdem wir uns sehnen, ohne davon existenziell abhängig zu sein. Wenn wir also von einem großen Garten mit Haus träumen und uns diesen Wunsch nie erfüllen werden, können wir dennoch davon ausgehen ohne allzu großen Schaden für uns weiter leben zu können.

Welche Bedürfnisse gibt es?

Nachdem nun wissen, was mit dem Begriff „Bedürfnis“ gemeint ist, stellt sich anschließend die Frage, welche Bedürfnisse es eigentlich gibt? Könntest Du adhoc sagen, welche Bedürfnisse Du gerade in Dir trägst? Nein?Keine Sorge. So geht es den meisten. Und bevor ich Psychologie studierte, hatten ich keine Ahnung von Bedürfnissen. Wie auch, lebend in einer Gesellschaft die mehr auf Leistung, als auf das individuell Wohlergehen fokussiert. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, in der Schulzeit etwas über meine Gefühle und Bedürfnisse gelernt zu haben. Vielleicht war es bei Dir anders, vielleicht aber auch genauso.

Es trifft Dich also keine Schuld, genauso wenig, wie die Menschen um Dich herum, die eigenen Bedürfnisse weder zu kennen, noch richtig wahrnehmen und äußern zu können. Das zu ändern, liegt allerdings in Deiner Hand. Und das ist die gute Nachricht! Wir können lernen, uns selbst besser zu verstehen. Darüber hinaus können wir es schaffen, unser Gefühl für uns selbst zu verfeinern und unser Innenleben leichter begreifen zu können. Das wiederum macht es am Ende auch im Zwischenmenschlichen einfacher. Wenn Du weißt, was Du brauchst und was Du möchtest und dies adäquat formulieren kannst, ersparst Du Dir viel Ärger und Frust.

-> Welche Bedürfnisse in uns liegen, das erfährst Du hier:

Eine brauchbare Erklärung zum Thema Bedürfnisse liefert der Psychologe Klaus Grawe. Er postulierte mit seiner Konsistenztheorie, die einer guten wissenschaftlichen Validität unterliegt, dass uns Menschen vier zugrunde liegende Bedürfnisse innewohnen, nach dessen Erfüllung wir streben.

Grawe´s vier Grundbedürfnisse:

1.) Das Bedürfnis nach Bindung
Bereits Säuglinge haben ein hohes Bedürfnis nach Bindung. Ohne das Umsorgen wichtiger Bezugspersonen, können wir als Säuglinge nicht überleben. Zudem wird hier der Grundstein für die Entwicklung unseres „Urvertrauens“ gelegt. Zudem entwickeln wir hier die Überzeugung, ob wir die Welt als einen sicheren oder unsicheren Ort erleben. Frühe negative Erfahrungen, wie z.B. der Verlust wichtiger Bezugspersonen kann unser Bindungsverhalten und unser Vertrauen in verlässliche Beziehungen nachhaltig beeinflussen.

Wenn unser Bedürfnis nach Bindung nicht erfüllt ist, fühlen wir uns: allein, einsam und/oder ausgegrenzt.

2.) Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
Darunter verstehen wir das Bestreben, die Welt und die Dinge um uns herum verstehen zu wollen, genauso, wie zukünftige Ereignisse und Entwicklungen vorhersehen und beeinflussen zu können.

Wenn diese Bedürfnis nicht erfüllt ist, fühlen wir uns: unsicher, in Abhängigkeit, handlungsunfähig, ängstlich.

3.) Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung 
Hierbei handelt es sich um das Verlangen sich selbst als gut, kompetent und wertgeschätzt zu erleben. Ein Bedürfnis, das wir seit der Kindheit in uns tragen und auch im Erwachsenenalter beibehalten. Frust kann ein Zeichen für einen Mangel an Anerkennung sein, sei es z.B. weil der/die Chef/in zu wenig oder keine Anerkennung ausspricht oder unser/e Partner/in uns zu wenig oder gar nicht wertschätzt.

Bei unzureichender Erfüllung stellt sich ein Gefühl von: ungeliebt, ungeachtet und wertlos ein.

4.) Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
Damit ist unser Bestreben gemeint, angenehm erlebte Zustände herbeizuführen und möglichst unangenehme Momente zu vermeiden. Wir erleben dies z.B. in dem wir beginnen zu prokrastinieren oder Dinge vor uns herschieben. Im Grunde genommen erst einmal normal und menschlich. Im Laufe unseres Lebens sollten wir allerdings lernen, eine gute Balance zwischen diesen beiden Polen herstellen zu können. Es ist wichtig, sich beizeiten etwas zu gönnen, ebenso, wie unangenehme Zustände über einen gewissen Zeitraum auszuhalten. Es lohnt sich dabei langfristig zu denken. Eine Weiterbildung kann mit Anstrengung verbunden sein, später jedoch zu Verbesserung der beruflichen und finanziellen Situation beitragen.

Erfüllen wir dieses Bedürfnis nicht, fühlen wir uns: Müde, ausgelaugt, überfordert, eintönig, gelangweilt und/oder abgestumpft.

Weitere Bedürfnisse, die uns inne wohnen.

Neben Grawe´s vier Grundbedürfnissen, gibt es noch unzählig weitere Bedürfnisse, die sich individuell unterschiedlich ausprägen können. So gibt es Menschen, die beruflich oder privat die Herausforderung wollen, die Abwechselung suchen, gern neues lernen und es gibt auch Menschen, die sich wohl fühlen, wenn sie für sich in Ruhe sein können, ihrer gewohnten Struktur nachgehen können und nur wenig nach Veränderung streben.

Abraham Maslow, ein weiterer Psychologe, fasste die menschlichen Grundbedürfnisse hierarchisch angeordnet in einer „Bedürfnispyramide“ zusammen. Er ging davon aus, dass der Mensch unterschiedliche Bedürfnisse hat. Diese finden sich in seinem Modell der Pyramide in fünf Stufen abgebildet wieder. Sobald in etwa 70% der Bedürfnisse auf einer Stufe erfüllt sind, wird die nächste Stufe mit weiteren Bedürfnissen erreicht. Findet ein Bedürfnis seine Erfüllung, besteht keine Motivation mehr, diesem weiter nachzugehen. Dies können wir im beruflichen Kontext gut beobachten. Wir selbst oder ein/e Mitarbeiter/in kann sich besonders anstrengen, wenn es darum geht aus der befristeten Anstellung in eine unbefristete zu gelangen (Bedürfnis: Sicherheit). Sobald dies „erreicht“ wurde, kann die Motivation und damit einhergehende Arbeitsleitung, die zuvor bestand, absinken, da kein inneres Bestreben mehr vorliegt dem Bedürfnis nach Sicherheit in diesem Maße nachzugehen.

Zur Veranschaulichung findest Du die hier die Maslow´sche Bedürfnispyramide:

Maslow Bedürfnispyramide

Bildquelle: Vivien Soppa

Es gibt noch unzählig weitere Bedürfnisse, alle zu listen, würde den Rahmen sprengen. Nachfolgend findest Du ein paar Beispiele.

Mein Tipp: Nutze doch gleich mal die Gelegenheit und notiere Dir, welche Bedürfnisse bei Dir gerade im Vordergrund sind

  • Nähe
  • Ordnung
  • Entspannung
  • Leichtigkeit
  • Lernen
  • Spaß
  • Verstehen
  • Sinn
  • Bedeutung
  • Wärme
  • Ehrlichkeit
  • Etc.

Wie kann ich meine besser Bedürfnisse wahrnehmen?

Um eigene Bedürfnisse besser wahrnehmen zu können, gibt es es unterschiedliche Methoden. Heute stelle ich Dir zwei Methoden vor, die ich für mich, als auch für meine Klient:innen immer wieder gern nutze:

1.) Bodyscan – Achtsamkeitsübung: Eine schnelle und einfache Methode, mit der Du besser nach innen spüren kannst. Suche Dir dafür einen ruhigen Ort und stelle sicher, dass Du nicht gestört wirst. Setze Dir einen Timer auf 10 Minuten. Nun setze oder lege Dich hin, schließe die Augen und atmes 3x tief ein und aus. Nun ziehe die Aufmerksamkeit von außen nach innen, zu Dir selbst. Spüre einmal in Dich hinein. Wir fühlt sich Dein Körper an? Deine Energielevel? Wo spürt Du Anspannung im Körper? Wo Entspannung? Was bräuchtest Du jetzt, um zufrieden und entspannt zu sein? – Die Antwort darauf gibt Dir den Hinweis über Deine Bedürfnisse. Du brauchst gerade Ruhe? Alles klar, dann schau wie Du Dir eine kleine Auszeit nehmen kannst. Du brauchst eher Bewegung? Dann nutze die Zeit und mache ein paar Liegestütze oder spaziere um den Block. Je öfter Du den Bodyscan anwendest, umso leichter wird es Dir fallen zu spüren, was Du gerade brauchst.

2.) Bedürfnis-Töpfe: Jetzt wird es kreativ. Es kann helfen mit dieser visuellen Methode dahinter zu kommen, welche Bedürfnisse in Dir gerade vorherrschend sind und welche nach (mehr) Erfüllung drängen. Male Deine Bedürfnisse (nutze gern die Liste weiter oben) im Form von Töpfen (siehe Schaubild unten) auf. Zeichne auf einem Blatt Papier (oder auf Deinem PC/Handy) unterschiedliche Töpfe und ordne sie dem jeweiligen Bedürfnis zu. Bewerte zunächst auf einer Skala von 0-10, in wie fern Dein Bedürfnis gerade erfüllt ist. Nachdem Du die Bewertung vorgenommen hast, kannst Du die Töpfe entsprechend „ausmalen“. Ist Dein Bedürfnis nur wenig erfüllt, ist der Topf entsprechend wenig gefüllt. Wenn Dein Bedürfnis gerade gut abgedeckt ist, ist wiederum der Topf gut gefüllt. Dies kann Dir nochmal verdeutlichen, an welcher Stelle Du für Dich mehr sorgen kannst und woher ein Gefühl von Frust und Unzufriedenheit stammt. Nämlich immer dann, wenn ein Bedürfnis gerade nicht wahrgenommen oder gestillt wird.

Schaubild: Bedürfnistöpfe

Bedürfnistöpfe

Bildquelle: Vivien Soppa

Wie kann ich meine Bedürfnisse angemessen kommunizieren?

Eine Frage, die ich sehr häufig gestellt bekomme. Und in der Tat, will es gelernt sein, Bedürfnisse angemessen einzufordern und zu kommunizieren.

Allen voran – Du hast ein Recht auf Deine Bedürfnisse. Du hast das Recht sie zu kommunizieren, für Dich einzufordern und für die Erfüllung zu sorgen. Wichtig ist dabei die Art und Weise, wie Du sie einforderst. Eine Möglichkeit, wie Du am besten vorgehen kannst, zeige ich Dir hier mit meiner 3-Schritte-Methode:

1.) Mache Dir Deine Bedürfnisse bewusst: Spüre und blicke tiefer in Dich hinein. Nutze dazu gern auch die Übung „Bodyscan“, die ich Dir weiter oben vorgestellt habe. Frage Dich „Was brauche ich jetzt?“, „Was tut mir gut?“, „Was möchte ich?“ – lausche den Antworten, die aus Deinem inneren jetzt auftauchen.

2.) Sei Dir der Verantwortung bewusst: Nachdem Dir bewusst ist, welche Bedürfnisse in Dir sind und welche nach Erfüllung streben, ist es wichtig diesem Impuls nachzugehen. Mache Dir klar, Du selbst hast es in Dir Hand für Dein Wohlergehen sorgen. Das bedeutet Bedürfnisse zu kommunizieren und für die Erfüllung zu sorgen. Es liegt an Dir, aus der „Opferrolle“ heraus zu treten und das Zepter für Dein eigenes Lebensglück in die Hand zu nehmen. Natürlich gibt es auch immer wieder Situationen, in denen es wichtig ist zu schauen, in wie fern Deinen Bedürfnissen entsprochen wird. Ein Beispiel: Wenn Du schon längere Zeit nach einer Gehaltsverhandlung fragst, sogar konkrete Erfolge vorweisen kannst, doch immer wieder vertröstet wirst, solltest Du Dich fragen, wie lange Du Dir das noch anschauen möchtest oder ob Du Dir nicht lieber ein Herz fasst und Deinen Unmut darüber äußerst, zur Not weitere Schritte einleitest (z.B. Dich woanders hinzubewerben).

3.) Kommuniziere aus der Ich-Perspektive, statt Dich in Vorwürfen festzubeißen: Wir neigen allzu gern davon auszugehen, dass andere schon wüssten was wir brauchen und auch dafür Sorge tragen, uns dies zu geben. Darin liegt allerdings schon das Problem. Niemand kann wissen, was in Dir vorgeht oder was Du benötigst. Somit ist auch erstmal niemand Schuld daran, wenn Deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Also statt Deinem Gegenüber Vorwürfe zu machen, hilft es aus der Ich-Perspektive zu sprechen und verständlich zu machen, wie es in Dir aussieht und was Du fühlst.

Also anstelle von „Nie bringst Du den Müll weg. Ich muss immer alles alleine machen. Dich interessiert ja nicht, was ich alles tue.“ hilft es zu sagen „Es strengt mich an im Haushalt so viel zu machen. Ich fühle mich überfordert, nicht wertgeschätzt und wünsche mir Hilfe.“ (Ausdruck des Bedürfnisses nach: Entspannung und Wertschätzung). Wie Du siehst, trägt der zweite Satz dazu bei, dem Gegenüber verständlich zu machen, was Du fühlst und was Du brauchst. Somit kannst Du viel eher zu einer Lösung gelangen und sogar wirklich Unterstützung bekommen. Vorwürfe führen beim Gegenüber eher zu Unverständnis, Ärger und Widerstand. Konflikte sind hierbei schnell vorprogrammiert. Spüre doch einmal für Dich nach, wie es Dir geht, wenn Du Dir Vorwürfe anhören musst. Hast Du dann Lust, dem anderen entgegen zu kommen? Oder willst Du lieber das Weite suchen?

Probiere diese 3-Schritte-Methode doch gleich heute mal aus. Ob im Business, in der Partnerschaft, der Familie oder gegenüber Fremden.

Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei und bin gespannt auf Deine Erfahrungen!

Das innere Team – Die Methode für mehr Klarheit

Das innere Team – Neue Perspektiven gewinnen.

Ob grundlegende Veränderungen anstehen, wir Entscheidungen treffen müssen, in Konflikten verwickelt sind oder mit der Tatsache konfrontiert sind, das wir einfach nicht ins Handeln kommen. Es gibt weitere unzählige Situationen, in denen es nötig wäre, über Verständnis, Klarheit und ein gewisses Zutrauen ins uns und das Leben zu verfügen. Doch zumeist befinden wir uns viel eher in dem Zustand der Unklarheit und Unsicherheit. Wir drehen uns gedanklich im Kreis, haben das Gefühl auf der Stelle zu treten und wissen nicht, wie und welchen Schritt, wir als erstes unternehmen sollten. In diesem Momenten manifestieren sich innere Ängste, Blockaden und Konflikte. Was also können wir tun, um aus dem Stillstand mutig, klar, ziel- und selbstbewusst  hervorzutreten?

Die Antwort: „Lerne Dein inneres Team kennen und erfolgreich zu führen.“

Die Idee – Persönlichkeitsanteile als Teammitglieder.

Schon Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, erfasste bereits ein Jahrhundert zuvor mit seinem Instanzenmodell („Es“, „Ich“, „Über-Ich“), dass wir Menschen mehrere Facetten in uns, unserer Psyche und unserem Wesen tragen. Auch hypnotherapeutische und systemische Ansätze vertreten die Ansicht, dass wir aus unterschiedlichen Persönlichkeitsanteilen bestehen. Dies führt zur Annahme, dass wir im Grunde flexibel agierende und fühlende Menschen sind.

Schulz von Thun, Kommunikationswissenschaftler und Psychologe, griff die Vorstellung innerer Persönlichkeitsanteile auf und entwickelte darauf fußend das innere Team. Unser Selbst wird dieser Methode zufolge als ein System verstanden, innerhalb dessen verschiedene Anteile wirken. Diese Anteile setzen sich aus unseren Bedürfnissen, Erfahrungen, Gedanken, Gefühlen, Haltungen und Wertvorstellungen zu einem Team zusammen. Je nach Zusammensetzung des Teams ergibt sich eine ganz eigene Gruppendynamik, die von den Interaktionen untereinander abhängt. Ob das Gruppengefüge eher förderlich und effizient ist, oder eher destruktiv und hinderlich, ist abhängig davon, an welcher Stelle konträre Wertvorstellungen und Bedürfnisse aufeinander treffen, Widersprüche auftreten, Konflikte schwelen und wie diese bewältigt werden.

Und stellen wir uns nun mal ein klassisches Unternehmen vor, in dem es natürlich für die Leitung eines Team auch eine Führungskraft gibt. Schulz von Thun spricht hier von dem Oberhaupt des Teams. Aufgabe der Führungskraft (Oberhaupt) ist es, das innere Team zu regelmäßigen Meetings einzuberufen und dafür zu sorgen, dass die einzelnen Mitglieder in einen konstruktiven Austausch miteinander treten.

In meinen 1:1 Coachings ist die Führungskraft, das Oberhaupt – der/die Klient/in selbst, mit der ich im Prozess auf die unterschiedlichen inneren Anteile blicke. Dabei nimmt der/die Klient/in eine neutrale und wertfreie Position ein und schaut aus der Vogelperspektive auf sein inneres Team.

Bewusstwerdung – Meet the Team

Wie also können wir nun herausfinden, welche Teammitglieder sich in unserem Selbst befinden?
Mit der folgenden Vorgehensweise, unterteilt in 3 Phasen, lassen sich innere Teammitglieder bestimmen.

1.) Kick – Off: Vorbereitung zum Visioning

Hierfür eignet es sich, Dir nun einen Stift und einen Zettel zur Hand zu nehmen und Dir etwas Zeit einzuplanen. Wahlweise kannst Du auch ein Whiteboard nutzen. In meinen Coachings, Trainings und Workshops  nutze ich gerne Figuren zum Aufstellen, um die inneren Anteile (inneren Stimmen) sichtbarer zu machen. Das bewusste Visualisieren (auch Visioning genannt) der unterschiedlichen Teammitglieder macht es leichter, diese zu bestimmen und ihnen eine Stimme zu verleihen.

2.) Face the problem: Einberufung des Teammeetings.

Bevor das Team vom Oberhaupt zum Meeting einberufen wird, hilft es zunächst das konkrete Problem zu bestimmen. Hilfreiche Fragen können hier sein: „Vor welcher Herausforderung stehe ich gerade?“, „Vor welcher Entscheidung stehe ich?“, „Was in meinem Leben nimmt mir gerade die meiste Zuversicht?“.

Sobald die Problemsituation identifiziert und in wenigen Worten beschrieben ist, geht es nun darum sich nach „innen“ einzutunen.

Mit meinen Klienten/innen oder auch Workshop-Teilnehmer/innen, nutze ich dafür gern meine vorbereitende Übung: Den 5-Minuten Body Check-In.

Dafür nehme nun eine sitzende oder auch aufrecht stehende Haltung ein. Stelle sicher, dass in jedem Fall beide Füße fest am Boden stehen. Schließe nun die Augen und atme dreimal tief ein und aus. Lasse Dir Zeit. Lenke zunehmend Deine Wahrnehmung auf den Bereich der Nasenspitze. Spüre für einige Momente, wie die Einatmung kommt und wie der Atem Deine Nase wieder verlässt. – Und nun spüre Deine Füße fest am Boden. Nimm nun den gesamten Körper wahr. Welche Haltung hast Du eingenommen? Ist diese angenehm oder unangenehm? Wo im Raum befindest Du Dich? Spüre dann etwas mehr in Dich hinein. Wie hoch ist gerade Dein Energielevel? Wie fühlt sich Dein Körper insgesamt an? Was machen Gefühle und Gedanken? – Lenke dann wieder bewusst die Aufmerksamkeit zurück auf Deinen Atem. Stelle Dich nun darauf ein, wieder zurück zu kehren und Dich nun Deinen inneren Stimmen zuzuwenden.

Nun mache Dir erneut Dein Problem bewusst und horch in Dich hinein. Welche Anteile machen sich bemerkbar? Welche Stimmen melden sich in Dir? Mache nun die einzelnen Mitglieder ausfindig und schreibe ihnen eine Rolle zu. Bei der Arbeit mit dem inneren Team, machen sich häufig folgende innere Anteile bemerkbar:

  • Der/die Kritiker/in
  • Der/die Perfektionist/in
  • Der/die Unsichere
  • Der/die Antreiber/in
  • Der/die Mutige
  • Der/die Schwarzseher/in
  • Der/die Lustige
  • Der/die Gewissenhafte
  • …..

3. Problemlösung, Führung und Klarheit

Nachdem die einzelnen Teammitglieder bestimmt wurden, es ist nun für das Oberhaupt an der Zeit jeden einzelnen zur ausgewählten Situation (Problem) sprechen zu lassen. Hierfür eignet es sich wieder, dass Du notierst, was die einzelnen Anteile äußern.

Gehe dabei auch auf folgende Fragen ein:

  • Wer hat das Sagen im Team?
  • Wer treibt das Team an?
  • Wer sorgt für Spannungen im Team?
  • Wer hält das Team gut zusammen?
  • Wie stehen die einzelnen Mitglieder zueinander?
  • Wo werden Widersprüche / Konflikte ersichtlich?
  • Über welche Ressourcen verfügt das Team?

Allein die Bewusstwerdung der einzelnen Teammitglieder und das Zuweisen der verschiedenen Rollen, kann insgesamt schon zu viel mehr Klarheit und Verständnis führen. Um das ausgewählte Problem / Thema zu bearbeiten, gibt es nun unterschiedlich Möglichkeiten.

Ein Weg kann darin bestehen, die einzelnen Mitglieder in einen kreativen Brainstorming-Prozess zu bewegen, um mannigfache Ideen für die Problemlösung zu finden. Sollten allerdings zu viele Spannungen im Team herrschen, könnte der nächste Schritt erstmal darin bestehen, zu schauen, wie die einzelnen Mitglieder besser miteinander in Kontakt gelangen können. Welcher Anteil sollte mehr Gehör finden? Wer sollte sich mehr zurück nehmen? Wessen Position sollte mehr gestärkt werden und durch wen? Über welche Ressourcen verfügt das Team und wie können diese genutzt werden?
Das Oberhaupt bzw. die Führungskraft übernimmt dann also die Funktion des Führens. Daher eignet sich diese Methode auch so wunderbar im Bereich von Teamentwicklung und Führungskräftetrainings.

Je öfter das innere Team zum Einsatz kommt, umso leichter wird es sein schneller klar zu sehen, Probleme und Konflikte zu bewältigen und Entscheidungen zu treffen.

Seit vielen Jahren nutze ich diese Methode in Coachings, Workshops und Trainings und bin nach wie vor eine große Verfechterin des „inneren Teams“ – besonders dann, wenn es zu schwerwiegenden Herausforderungen kommt. Schnell, einfach durchführbar und mit großen AHA-Effekt.

Zusammenfassung: Dein Weg, um Probleme zu lösen und wieder klarer zu sehen.

  1. Nimm Dir Zeit für Dich, bereite Dich vor und halte alle oben beschriebenen Materialien bereit.
  2. Beschreibe zunächst Dein Problem / Deine Herausforderung. Kurz und aussagekräftig.
  3. Tune Dich innerlich ein. Mit meiner Methode 5-Minuten Body Check-In.
  4. Horch in Dich hinein, erfasse die unterschiedlichen Stimmen und erstelle Dein inneres Team.
  5. Weise den inneren Stimmen (Anteilen) Rollen zu.
  6. Betrachte das Team mit dem Blick des Oberhaupts (der Führungskraft).
  7. Lasse sich die Teammitglieder zu Deinem Problem äußern.
  8. Betrachte dabei die Gruppendynamik, wenn möglich lass einen kreativen Brainstorming-Prozess zur Problemlösung entstehen.
  9. Betrachte ob ggf. einzelne Teammitglieder mehr gestärkt werden oder eher in den Hintergrund rücken sollten.
  10. Notiere Dir Deine Ergebnisse.

Viel Erfolg beim Ausprobieren!

Du willst tiefer in die Thematik eintauchen? Dein Problem umfassender klären?

Dann lass Dich von mir in einem 1:1 Coaching begleiten. Gemeinsam decken wir gezielt Deine Herausforderungen und Schwierigkeiten auf, lassen gemeinsam neue Perspektiven, Klarheit und Zuversicht entstehen. Melde Dich doch gleich für ein kostenfreies Erstgespräch an.

 

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Wie soll ich mich entscheiden, ohne es zu bereuen – 5 Tipps, die Dir sofort helfen

Entscheidung

 

„Wie kann ich mich entscheiden, ohne dass ich im Nachhinein denke, es war falsch?“ – Mit dieser Frage kam meine KlientIn letzte Woche in unsere Coaching-Session. Sie mache sie derzeit viele Gedanken, um ihre berufliche Situation und hat Angst davor, sich falsch zu entscheiden. Warum?
Lange Zeit hat sie als Architektin gearbeitet, viele Projekte betreut und ist dafür viel durch die Gegend gereist. Das Geld stimmte und die KollegInnen so weit auch. Doch glücklich war sie nicht. Sie hatte wenig Zeit für sich selbst, ihren Partner und ihre Hobbies. Sie machte erst mal so weiter, bis sie ihr erstes Kind bekam. Die Elternzeit nutzte sie, um sich und ihr bisheriges Leben zu reflektieren. Sie begann sich zu fragen, ob sie damals den richtigen Berufsweg eingeschlagen hatte und was sie eigentlich glücklich mache.

Wie soll ich mich entscheiden? Was will ich eigentlich?

Jetzt ein Jahr später, wo sie wieder ins Berufleben einsteigen will, sieht sie sich damit konfrontiert eine Entscheidung zu treffen. Zurück in den alten Job oder doch was anderes? Vollzeit oder Teilzeit?

Dies ist übrigens eins der häufigsten Probleme, die ich im Coaching beobachte. Die Unwissenheit darüber, was man/frau wirklich will. Wie man sich entscheiden und wohin orientieren soll. Woran das liegt, fragst Du Dich? An der mangelnden Klarheit Deiner Bedürfnisse und Werte. Was jetzt helfen kann? Dir das ganz mal genauer anzuschauen, mit meinen 5 Tipps.

Besser Entscheidungen treffen – so geht´s.

1.) Wenn Du keine negativen Konsequenzen fürchten müsstest, wie würdest Du Dich entscheiden?
Wir treffen häufig keine Entscheidungen, da wir Angst vor den Folgen haben. Wir denken allzu häufig: “ Was ist, wenn ich mich jetzt für Job A entscheide und im Nachhinein merke, dass mir Job B doch eigentlich besser gefallen hätte?“. Die Antwort? Du hast im schlimmsten Fall eine Erfahrung gemacht. Und diese gemachte Erfahrung hilft Dir zukünftig leichter Entscheidungen zu treffen. Denn Du lernst aus Deinen Erfahrungen, was Dir wichtig ist und was Du brauchst, damit es Dir gut geht. Also nimm all Deinen Mut zusammen und triff eine Entscheidung. Mache Erfahrungen. Übrigens – als kleines Gedankenexperiment. Du könntest einmal durchspielen, was die schlimmsten Folgen wären, wenn Du Dich für Variante A und nicht für Variante B entscheidest. Überlege, ob die befürchteten Konsequenzen wirklich ein Weltuntergang für Dich bedeuten würde.

2.) Wie denkst Du in 1, in 5 und 10 Jahren über Deine Entscheidung nach?
Bei Entscheidungen hilft es auch, das große Ganze im Blick zu behalten und dies in Relation zu unserer Lebensspanne zu setzen. So, was würdest Du in einem Jahr über Deine Entscheidung denken? Würdest Du es bereuen oder nicht? Wie glaubst Du, schaust Du in 5 oder 10 Jahren auf Deine Entscheidung zurück? Aus einer längerfristigen Perpektive heraus betrachtet, nimmt der Druck eine „perfekte“ Entscheidung zu treffen, tendenziell ab. Und was ist schon eine perfekte Entscheidung. Du wirst in Anbetracht Deiner Umstände sowieso die beste Wahl treffen. Ausgehend von Deinem jetzigen Erfahrungs- und Wissenstand heraus.

3.) Was ist Dir wichtig? Was sind Deine Bedürfnisse und Werte?
Meist können wir auch nicht wirklich eine Entscheidung treffen, da wir gar nicht wissen, was uns wirklich wichtig ist. Thema Bedürfnisse und Werte. Zunächst solltest Du Dir darüber im Klaren werden, was Du brauchst, damit es Dir gut geht. Privat, wie beruflich. Was macht Dich glücklich? Was willst Du in Deinem Leben? Was ist Dir wichtig? Diese Fragen hinterlassen in Dir gerade eine Leere? Dann schau Dir mal folgende Bedürfnispysramide von dem Psychologen Abraham Maslow an. Damit erhälst Du einen Überblick über Bedürfnisse und kannst einmal für Dich prüfen, in wie fern diese wichtig und derzeit bei Dir im Leben abgedeckt sind. So kannst Du auch reflektieren, wie Du diese mit Deiner Entscheidung erfüllen kannst:

Bedürfnispyramide: Definition und Nutzen

Bildquelle: https://karrierebibel.de/beduerfnispyramide-maslow/

4. Das Entscheidungsspiel: Wirf eine Münze und fühle.
Ein weiterer Weg, um herauszufinden, wie Du Dich entscheiden solltest geht auch spielerisch 🙂 mit einer Münze. Die beiden Seiten der Münze stellen Alternative A und B dar. Wirf eine Münze und dann beobachte. Wünschst Du Dir insgeheim, dass die Münze auf eine Seite fällt? Wie fühlt es sich an, nachdem die Münze auf eine Seite zum Liegen gekommen ist. Fühlt es sich erleichternd und angenehm an? Oder würdest Du Dich besser mit der anderen Seite fühlen? Unsere Gefühle hier beim Münzewerfen können tief blicken lassen. Auf das, was Du wirklich willst und was Dir gut tut.

5. Frage Deine engsten Vertrauten. Dann entscheide.
Es kann übrigens hilfreich sein, das ganze aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten. Frag doch einfach mal Deine engsten Vetrauten um Rat. Welche Gedanken und Gefühle haben sie zu einer Entscheidung? Und dann heißt es wieder nachfühlen. Was lösen die Meinungen der anderen in Dir aus? Kannst Du mitgehen? Wo bist Du anderer Meinung? All dies kann Dir auf Deinem Weg helfen, eine Entscheidung zu treffen, bei der Dein Kopf und Herz zu einem übereinstimmenden Schluss kommen.

Last but not least – gib Dir Zeit.
Um besser entscheiden zu können, gönn Dir etwas Zeit und nimm den Druck raus. Schlaf am besten ein paar Nächte, bevor Du eine Entscheidung triffst. Und Wisse – Nichts ist in Stein gemeisselt. Selbst, wenn Du Dich jetzt für einen Job entscheidest und sogar umziehst. Wer sagt denn, dass Du Dich nicht 1 Jahr später wieder neu entscheiden kannst? Du hast es in der Hand und es ist ok, sich auch mal umzuentscheiden.

In jedem Falle will ich Dich ermutigen, eine Entscheidung zu treffen und Erfahrungen zu sammeln. Gutes Gelingen auf Deinem Weg 🙂

Herzlichst Deine Vivien.