Nicht delegieren können als Führungskraft: Psychodynamische Hintergründe von Kontrolle und Überidentifikation

Delegieren

Inhaltsverzeichnis

Warum Delegation vielen Führungskräften schwerfällt

Delegation gilt als Schlüsselkompetenz moderner Führung. Dennoch fällt es vielen Führungskräften schwer, Verantwortung wirklich abzugeben.

Vielmehr geht es den meisten Führungskräften doch so, das sie sich am Ende des Tages im Nachprüfen und Korrigieren delegierter Aufgaben wiederfinden.

Kommt Dir das irgendwie bekannt vor?

Im professionellen Führungskräfte Coaching wird deutlich schnell deutlich, dass hinter mangelnder Delegation  selten fehlende Prozesse, sondern psychologische Dynamiken wie Kontrolle, Überidentifikation und Selbstwertregulation stehen.

Weitere Grundlagen zu meinem Ansatz im psychologisch fundierten Führungskräftecoaching findest Du hier: Führungskräftecoaching in und um Osnabrück

Kontrolle als psychologischer Schutzmechanismus

Kontrolle, ein zugrundliegendes Bedürfnis, wirkt kurzfristig stabilisierend. Sie reduziert Unsicherheit und vermittelt Kompetenz.

Psychodynamisch betrachtet erfüllt sie häufig die Funktion, innere Zweifel zu regulieren. Wer früh gelernt hat, seinen Wert über Leistung zu definieren, entwickelt oft einen starken Kontrollimpuls und inneren Antrieb. 

Typische innere Überzeugungen, die auftauchen können und das Delegieren von Aufgaben erschwer sind:

  • „Wenn ich es nicht mache, wird es nicht gut.“

  • „Ich bin verantwortlich.“

  • „Fehler darf ich mir nicht leisten.“

An dieser Stelle empfehle ich Dir, Deine letzte Arbeitswoche bewusst zu reflektieren und ehrlich zu prüfen, ob Du Aufgaben übernommen hast, die strukturell nicht bei Dir liegen.

1.) Wurden Entscheidungen getroffen, die auch im Team hätten verantwortet werden können?

2.) Wurde nachkontrolliert, obwohl Vertrauen möglich gewesen wäre?

3.) Sind Themen auf dem eigenen Schreibtisch gelandet, weil sie sich „sicherer“ anfühlten?

Wenn Du diesen Fragen mit einem inneren Zögern beantwortest, lohnt sich ein genauerer Blick. Oft steckt hinter diesem „Sicherheitsgefühl“ mehr als nur Verantwortungsbewusstsein. Vielmehr geht es im Grunde um die Verbindung zwischen Leistung, Kontrolle und Selbstwert. Ergo um das, was als Leistungsidentität beschrieben werden kann.

Zu dem Thema der Leistungsidentität liefert die Burnout-Forschung inzwischen gut dokumentiert weitreichende psychologische Hintergründe. Wenn Du dazu mehr erfahren willst, wirst Du bei diesem Paper der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fündig.

Identifikation mit der Führungsrolle

Ein häufiges Thema, das ich im Rahmen des Führungskräftecoaching behandle, ist die Verschmelzung von Rolle und Identität. Die Führungskraft verkörpert Verantwortung, statt sie strukturell zu delegieren.

Delegation wird unbewusst als Bedeutungs- und Kontrollverlust erlebt, manchmal sogar als Infragestellen des eigenen Status. Genau hier besteht die Gefahr, dass Verantwortung nicht mehr funktional organisiert, sondern persönlich getragen wird. Entscheidungen bleiben gebündelt, Aufgaben werden zurückgeholt und Mitarbeitende erhalten weniger Entwicklungsspielraum.

Langfristig entsteht eine doppelte Belastung, die nur allzu schnell im Alltag spürbar wird. Die Führungskraft gerät unter zunehmenden Druck, während das Team in Abhängigkeit bleibt. Innovation, Eigenverantwortung und strategische Weitsicht werden dadurch ausgebremst.

In diesem Moment verliert Führung ihre eigentlich Funktion und büßt an systemischer Qualität ein. Dies hat zufolge, dass sie zur individuellen Dauerverantwortung wird, mit entsprechenden Kosten für Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

Verhaltenstherapeutische Verstärkerschleifen

Aus verhaltenstherapeutischer Perspektive entsteht eine klassische Verstärkung. Das Eingreifen führt zur schnellen Lösung und erzeugt ein Gefühl von Kontrolle und Kompetenz. Genau diese kurzfristige Entlastung stabilisiert jedoch das Verhalten. Was als effektives Führungsverhalten beginnt, wird über Zeit zu einer wiederkehrenden, kräftezehrenden Schleife.

Im Coaching arbeite ich daher mit bewusst gesetzten Delegationsexperimenten, um neue, korrigierende Erfahrungen zu ermöglichen und festgefahrene Handlungsschleifen nachhaltig zu verändern.

Mehr zu meinem psychologischen Hintergrund erfährst Du hier: Über meine Arbeitsweise

Wirtschaftliche Folgen fehlender Delegation

Die meisten Führungskräfte, die zu mir ins Fürhungskräftecoaching kommen erleben genau dies: Entscheidungen verzögern und stauen sich, Innovationen werden ausgebremst und Personalkosten steigen. Ganz zu schweigen von der exponentiell und parallel wachsenden Burnout-Gefahr. Wenn Aufgaben dauerhaft bei Dir gebündelt bleiben, trägt das System die Folgen. Delegationsfähigkeit ist deshalb keine Frage von „Soft Skills“, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Prüfe ehrlich, wo Verantwortung strukturell besser aufgehoben wäre als dauerhaft bei Dir.

Fazit

Delegation ist kein Kontrollverlust. Sie ist ein Reifeschritt in Deiner Führungsentwicklung und ein klares Zeichen innerer Stabilität und Vertrauen in Dein System.

Wenn Du merkst, dass Dir das Loslassen schwerfällt und Aufgaben immer wieder bei Dir landen, lohnt sich ein professioneller Blick im Führungskräfte Coaching. Nicht, um weniger verantwortlich zu sein, sondern um Verantwortung wirksamer zu gestalten.

Über Vivien Soppa

Als Business Coach, Psychotherapeutin und begeisterte Outdoorsportlerin, findest Du in mir eine vielseitige, kraftvolle und zielgerichtete Begleiterin.

Erfahre mehr über mich

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen

Goodie für 0€

Mehr Zeit für das, was wirklich zählt!

Melde Dich zum Newsletter an und erhalte Deinen Zeitmanagement-Guide für 0€ direkt in Dein Postfach.

Bereit für den nächsten Schritt?

Mach jetzt den 1. Schritt und lass uns Dein volles Potenzial entfachen!

Nach oben scrollen

Diese Website verwendet lediglich technisch notwendige Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Website zu ermöglichen.