In Zeiten von Unsicherheiten und Krisen – Wie ein gutes Krisenmanagement gelingen kann.

Bereits Erick Kästner fasste es treffend zusammen „Seien wir ehrlich – leben ist immer lebensgefährlich.“

Und ja, unser Leben bestand schon immer aus Unsicherheiten, unvorhersagbaren Ereignissen und Risiken, die an jeder Ecke lauern. Das war bereits vor der Corona-Krise so und wird sich auch nach Pandemieende nicht verändern. Leben bedeutet stets Entwicklung und Veränderung. Nichts bleibt, wie es ist. Nicht mal wir selbst. Vom Säuglings- bis zum Seniorenalter verändern wir uns durchgehend physisch, mental und emotional.

Selbst, wenn wir Pläne schmieden und das kennst Du bestimmt, bahnt sich das Leben stets seinen eigenen Weg. Wie oft ist bereits in Deinem Leben, in Deiner Selbstständigkeit oder in Deinem Unternehmen musstest Du Pläne, Vorhaben und Ziele wieder verwerfen. Einfach, weil die Dinge anders gekommen sind, als gewünscht und angedacht. Vielleicht, weil Mitarbeiter:innen kündigen, Kooperationspartner abspringen, sich Märkte verändern, Finanzkrisen oder private Probleme entstehen.

Der „Cliffhanger“ unseres Lebens – Unsicherheit aushalten.

Wir sind also tagtäglich mit eben diesen Unberechenbarkeiten konfrontiert und im Grunde wissen wir das auch, nur einen geeigneten Umgang damit zu finden, stellt für die meisten Menschen eine große Herausforderung dar. So berichten mir auch viele meiner Klient:innen im Coaching, wie herausfordernd es für sie selbst, Kolleg:innen oder auch für ihre Mitarbeiter:innen ist, durch Krisenzeiten hindurchzugehen ohne zu wissen, wie sich der Ausgang gestaltet.

Genau also, wie bei einer Folge Deiner Lieblingsserie, die den Spannungsbogen nach oben zieht und Dich dann am Ende mit dem „Cliffhanger“ aufgeregt zurücklässt.  Am liebsten würdest Du jetzt wissen, wie es weitergeht. Aber das erfährst Du natürlich nur, wenn Du die nächste Folge klickst. Das Nichtaushalten der Unwissenheit und die Neugierde treibt Dich letztlich dazu an, (gleich) weiter zu schauen.

Orientierung und Planbarkeit ist das, was wir uns wünschen. Das Aufhalten in der Komfortzone, ein geregeltes Leben führen, heiraten, eine Lebensversicherung abschließen und einen unbefristeten Mietvertrag haben. Alles, um das Gefühl der maximalen Sicherheit zu erreichen. Kontrolle über das Unkontrollierbare zu erlangen und doch scheitern wir immer wieder. Denn Leben ist auch immer Risiko. Ob wir wollen oder nicht.

Unsicherheit und Risiko – Unseren treuen Begleiter.

Letztlich gilt es zu lernen, mit Ungewissheiten umzugehen. Beruflich und privat. Denn, wenn Du akzeptieren kannst, dass Unsicherheiten und Risiken nun eben mal Teile unserer Existenz sind, kannst Du handlungsfähig bleiben und Krisen souveräner meistern. Jede Herausforderung, der Du begegnest, bietet Dir auch immer die Chance, Dich weiterzuentwickeln.

Nicht umsonst suchen erfolgreiche Unternehmen auch immer Krisen. Sie haben verstanden, dass Krisen das Potenzial bieten, Innovationen befördern und hervorbringen können.

Und genau darum geht es in diesem Beitrag. Lies jetzt weiter und erfahre, wie es Dir als Privatperson und vor allem als Selbstständige:r oder Unternehmer:in gelingen kann, Krisen zu meistern und sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen.

Was ist eigentlich Unsicherheit?

Mit dem Substantiv Unsicherheit ist gemeint: Das Nichtwissen über etwas oder eine Situation in der Zukunft, deren Entwicklung bzw. Ausgang wir nicht kennen.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, ich möchte in meinem Unternehmen ein neues Produkt X entwickeln. Meine Kundenumfrage hat ergeben, dass es prinzipiell eine Nachfrage für mein Produkt X gibt. Zunächst erstmal eine gute Ausgangsgrundlage. Doch trotzdem kann ich nicht mit absoluter Gewissheit davon ausgehen, dass mein Vorhaben Produkt X zur absoluten „Cash-Cow“ zu machen fruchtet und es zu 100% den Kundenwünschen entspricht. Es kann gut sein, dass sich die Wünsche meiner Kund:innen bis zur Fertigstellung der Produkts X schon wieder geändert haben. Und genau damit sind wir als Entscheidungsträger:innen, Selbstständige:r und Unternehmer:in tagtäglich konfrontiert. Wir müssen Entscheidungen unter Abwägung von Unsicherheiten und Risiken treffen.

Warum fällt es uns so schwer, Unsicherheit auszuhalten?

Der Psychologe Klaus Grawe hat einst vier grundlegende Bedürfnisse beschrieben, die uns allen Menschen innewohnen. Er geht davon aus, dass wir nach:

  • Orientierung und Kontrolle
  • Selbstwerterhöhung / Selbstwertschutz (Wir wollen anerkannt und gesehen werden. Uns als kompetent empfinden.)
  • Lustgewinn / Unlustvermeidung
  • Bindung (Zugehörigkeit) streben.

Betrachten wir das erste Bedürfnis „Orientierung und Kontrolle“ wird klar, warum wir kein Fan von Unsicherheiten sind. In dem Moment, in dem wir nicht wissen, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln und wir auch nur wenig oder keinen Einfluss darauf nehmen können, erleben wir zunehmend einen Kontrollverlust und fühlen uns orientierungslos. Dies geht mit einer Reihe an unangenehm erlebten Gefühlen einher und macht deutlich, warum wir es so gern vermeiden, Unsicherheiten zu erleben und Risiken einzugehen.

Natürlich, im ersten Moment mag es bequem sein, wenn Du Dich neuen und ungewohnten Herausforderungen nicht stellen musst. Doch langfristig betrachtet, nimmst Du Dir die Möglichkeit, zu wachsen und Dein Handlungsrepertoire zu erweitern. Bist Du etwa darauf bedacht, jede Krise zu umschiffen und keinerlei Risiken einzugehen, wirst Du nie erfahren, welch (wahres) Potenzial in Dir, Deinem Business oder Deinen Mitarbeiter:innen steckt.

Letztlich bleibst Du auf der Strecke, während andere an Dir vorbeiziehen. Einfach weil sie sich getraut haben eine neue Stelle anzunehmen, ein eigenes Business zu gründen oder eine risikobehaftete Veränderung im Unternehmen durchzuführen.

Selbst Reinhard Mohn, langjährige Bertelsmann-Chef, war der Meinung, dass Unternehmer:innen  um wirklich Erfolg zu haben, dazu bereit sein sollten Risiken einzugehen.

Selbstverständlich meint Risikobereitschaft und die Offenheit gegenüber Krisen nicht, dass Du Dich völlig blauäugig und strategielos in unbekannte Situationen begeben sollst.

Krisen strategisch begegnen und erfolgreich managen.

Im Privaten, wie im Beruflichen können uns also Krisen jederzeit ereilen. Blicke einmal auf Dein bisheriges Leben zurück und ich bin mir sicher, Du hast auch schon die ein oder andere Krise durchlebt. Krisen können übrigens durch innere und / oder äußere Umstände hervorgerufen werden.

Innere Auslöser können auf der persönlichen Ebene Ängste, negative Erfahrungen und Enttäuschungen sein. Berufsbezogen kann dies Firmenintern beispielsweise durch eine mangelhafte Kommunikation, ein inadäquates Finanzmanagement oder fehlende Innovationen bedingt sein.

Äußere Auslöser für eine Krise können Naturkatastrophen, Finanzkrisen oder eine politisch gesteuerte Anhebung von Rohstoffpreisen sein.

Ob mono- oder multikausal bedingte Krise, die Frage ist stets die, ob Du selbst oder auch Dein Unternehmen über ein adäquates Krisenmanagement verfügt und nicht zuletzt auch, mit welcher persönlichen Einstellung Du Krisen begegnest.

Krisen als Chance begreifen.

Betrachten wir einmal die Corona-Krise. Sicherlich, es gibt und gab viele beschwerliche Momente für Dich und viele andere. Doch es gibt auch positive Entwicklungen, die erst durch Corona ermöglicht wurden. Die Natur konnte sich erholen, es gab insgesamt weniger CO-2 Emissionen, viele Menschen hatten das Gefühl besser zu Ruhe kommen zu können und Defizite konnten aufgedeckt werden. Dadurch erlebten bspw. die Pflegeberufe eine längst überfällige Beachtung und Aufwertung in der Gesellschaft.

Arbeitgeber:innen waren angewiesen Homeoffice zu ermöglichen. Ein Umstand, der für viele Unternehmer:innen lange Zeit undenkbar war, aus Angst davor ihre Mitarbeiter:innen nicht mehr im Auge behalten zu können und Produktivitätseinbußungen in Kauf nehmen zu müssen. Und doch zeigten die Erfahrungen, dass Mitarbeiter:innen (bei entsprechender Führung) auch von zu Hause aus produktiv sein können und viele Aufgaben durch das Fortschreiten der Digitalisierung eigentlich von überall aus durchführbar sind.

Vielen Manager:innen und Führungskräften erlebten zudem, dass Online Meetings erfolgreich verlaufen können, ohne dafür um den halben Globus fliegen zu müssen.

Krisenmanagement – Das 4-Phasen-Modell

Was also kannst Du konkret für Dich oder Dein Unternehmen tun, um eine Krise zu meistern, sie ggf. abzuwenden und bestenfalls gestärkt aus ihr hervorzugehen?

Klar ist, dass Du Dich zunächst damit befassen solltest, ob sich eine Krise erahnen, ergo antizipieren lässt oder ob Du akut auf eine Krise reagieren musst. So, wie wir es in Zeiten von Corona erlebt haben. Je nachdem erfordert es nämlich ein anderes Handeln von uns.

In jedem Fall empfiehlt es sich, ob als Privatperson, Führungskraft, Manager:in oder Unternehmer:in Strategien und Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu entwickeln, um zukünftig auf Unerwartetes schnell, effektiv und schadensabwendend oder- begrenzend zu reagieren. In diesem Zusammenhang sprechen wir auch von dem Terminus Krisenmanagement.

Ein jedes Unternehmen, das ein langfristiges Überleben anstrebt, sollte darauf bedacht sein, ein fähiges Krisenteam zu installieren, über geeignete Strategien zu verfügen und eine effektive Kommunikation zu ermöglichen.

Das unten aufgeführte 4-Phasen-Modell nach Prof. Dr. U. Krytsek nutze ich gern, um ein besseres Verständnis über den Umgang mit Krisen zu erhalten.

Bildquelle: https://www.groupalarm.com/blog/was-ist-krisenmanagement-teil-2-krisenmanagement-prozess

Dem 4-Phasen-Modell (n. Krystek) kannst Du also entsprechend entnehmen, dass sich eine Krise in unterschiedliche Phasen unterteilen lässt. Das wiederum macht deutlich, wie Du reagieren und welche Maßnahmen Du gezielt einsetzen kannst.

Bei einer sich anbahnenden Krise hast Du noch eher die Möglichkeit, „das Ruder rumzureißen“ und (größeren) Schaden abzuwenden. Zur Verdeutlichung ein ganz einfaches Beispiel:

Du kommst am Abend zu Deinem Schatz nach Hause und bemerkst schon im Gespräch an dem Tonfall, dass die Stimmung angespannt ist. Du weißt, wenn Du jetzt etwas „Falsches“ sagst oder Dich kritisch äußerst, war es das mit Deiner Feierabendruhe. Krisenmanagement ist hier das Stichwort. Du ahnst, jetzt wäre es am besten sich zurückzuziehen, um ein Eskalieren der Situation nicht zu befördern. In diesem Moment befindest Du Dich, laut Schaubild, im „Aktiven Krisenmanagement“ an dem Punkt Krisenvermeidung / Präventives Handeln. Befändest Du Dich hingegen bereits im Streit mit Deinem Schatz, wäre dies dem Punkt Reaktives Krisenmanagement zuzuordnen.

Für Unternehmen gilt es bei einem Reaktiven Krisenmanagement eher darum, an der Liquidität zu arbeiten und eine Insolvenz zu vermeiden, was natürlich ein anderes Prozedere verlangt, als z.B. eine anbahnende Krise strategisch abzuwenden. 

Krisen erfolgreich meistern, so kann es gelingen.

Zusammenfassend wissen wir also nun:

  • Herausforderungen und Krisen können uns jederzeit ereilen.
  • Krisen lassen sich antizipieren, erahnen, können uns jedoch auch „eiskalt“ erwischen.
  • Je nachdem, ob wir mit einer sich anbahnenden Krise konfrontiert sind oder uns mittendrin befinden, erfordert es ein unterschiedliches Vorgehen.
  • Krisen können wir als Chance zur Weiterentwicklung sehen.
  • Wir können Krisen bewältigen

Aus der obigen Zusammenfassung lässt sich ableiten, wie wir Krisen sinnvoll managen und gestärkt aus ihnen hervor treten können.

Wir sind gut beraten, zwei Dinge im Auge zu behalten.

Zum einen kann es sinnvoll sein zu reflektieren, wie wir bisherige Hürden gemeistert haben und dabei zu analysieren, was uns im Detail dabei geholfen hat. Denn daraus lassen sich Bewältigungsstrategien ableiten, die sich auch in Zukunft bewähren können.

Zum anderen eignet es sich, einen offenen Geist zu bewahren, um handlungsfähig zu bleiben.

Warum? Wie wir wissen, können auch längst bewährte Erfolgsstrategien in gewissen herausfordernden Situationen versagen. Und genau für diesen Fall sollten wir so gut wie möglich versorgen, in dem wir zur Not von bisherigen Maßnahmen abrücken und offen für neue Lösungsansätze sind.

Erhebung des Status Quo – Eine Standortanalyse.

Um Krisen erfolgreich zu managen und zu bewältigen, führe ich in meinem Coaching mit Einzelpersonen, als auch bei der Durchführung von Trainings und Workshops in Unternehmen, zunächst eine Standortanalyse durch. Das heißt, ich erfasse den Status Quo. Dabei suche ich gezielt nach bereits vorhandenen Ressourcen (personell, finanziell, strategisch) und bisher erfolgreich eingesetzten und beschlossenen Bewältigungsmaßnahmen. Zusätzlich beleuchte ich den aktuellen Umgang mit der Krise und erfasse alle betroffenen Entscheidungsträger (siehe Schaubild unten).

Krisenmanagement

Bildquelle: Eigene Darstellung

Der Rückblick – Evaluation.

Ob aktuelle Krisenbewältigung oder Wappnung für zukünftige Herausforderungen. Der Blick zurück lohnt sich allemal. Zu sehen, was Du oder auch Dein Unternehmen, bereits schon durchgestanden und geschafft habt, stärkt in jedem Fall das Vertrauen in Dich selbst und Deine Fähigkeiten. Zudem kannst Du Dir dadurch bewusst machen, welche Strategien gut geholfen haben und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Ebenso hast Du die Möglichkeit zu reflektieren, wie Du Dich persönlich und beruflich weiterentwickelt hast.

So stelle ich gern in meinem Coaching die Frage: Was Du rückblickend gelernt hast. An welchen Stellen Du gewachsen bist. Welche Fähigkeiten doch noch mehr ausfeilen oder gar neu entwickelt hast. Welche neuen Wege Du für Dich selbst und/ oder in Deinem Unternehmen gefunden hast.

Um eine Krise, auch immer als Chance zum Wachstum begreifen zu können. Damit Du zukünftigen Herausforderungen die Stirn bieten kannst und sie erfolgreich meisterst.

 

Wie sind Deine bisherigen Erfahrungen im Umgang mit Krisen und wie stehst Du ihnen gegenüber? Teile doch gern mit mir Deine Erlebnisse.

Über Vivien Soppa

Als Business Coach, Psychotherapeutin und begeisterte Outdoorsportlerin, findest Du in mir eine vielseitige, kraftvolle und zielgerichtete Begleiterin.

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