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Erkenne Dich selbst – Vom Mythos zum Mut in der Führung
In der Antike, am Eingang des Apollon-Tempels in Delphi, fand sich die wohl bekannteste Weisheit der westlichen Philosophie: „Erkenne dich selbst“. Diese Aufforderung galt nicht nur als philosophischer Impuls, sondern als Grundlage für jede Form der Weiterentwicklung. Und das nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Kontext.
In der Führungspraxis hat diese Weisheit nichts an Aktualität verloren. Doch leider erlebe ich immer wieder, dass viele Führungskräfte der Meinung sind, dass Selbstreflexion für sie nicht notwendig ist. „Ich weiß, was ich tue“. Dieser Satz wird zu oft als das Maß aller Dinge angesehen.
Doch ist genau das der Punkt: Führungskräfte, die sich nicht selbst hinterfragen, laufen Gefahr, in ihren eigenen Mustern gefangen zu bleiben. Der Erfolg von Führung beginnt nicht bei anderen, sondern bei dir selbst.
Warum Selbstreflexion in der Führung so entscheidend ist
Selbstreflexion ist ein Schlüssel zu authentischer und effektiver Führung. Sie ermöglicht es Dir als Führungskraft, Dir Deiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu werden. Ohne diese Erkenntnis läufst Du Gefahr, als Leader unauthentisch zu wirken und dadurch das Vertrauen Deiner Mitarbeiter zu verlieren.
Führung bedeutet nicht nur, dass Du Entscheidungen triffst und Ziele zu verfolgst. Vielmehr erfordert es, dass Du mit Dir selbst und Deinem eigenen Verhalten in Einklang stehst. Wenn Du Dich als Führungskraft regelmäßig hinterfragst, bist Du dazu in der Lage, Veränderungen wahrzunehmen, Dein Verhalten zu reflektieren und weiter zu wachsen. Ohne diese Fähigkeit bleibst Du in alten Denkmustern und Kommunikationsweisen stecken und das in einer Welt, die sich rasant verändert.
Psychologische Impulse für Selbstreflexion
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Der Dunning-Kruger-Effekt: Dieser psychologische Effekt beschreibt die Tendenz, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, insbesondere in Bereichen, in denen man wenig Erfahrung hat. Führungskräfte, die sich selbst nicht regelmäßig hinterfragen, laufen Gefahr, in diesem Effekt gefangen zu sein. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist der erste Schritt, um diesem Effekt zu entkommen. Wenn Du Dir Deiner eigenen Limitationen bewusst bist, kannst Du gezielt an Deiner Weiterentwicklung arbeiten und Dein Führungsverhalten an die Anforderungen der modernen Arbeitswelt anpassen.
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Der Impostor-Syndrom: Viele Führungskräfte leiden unter dem Gefühl, nicht „genug“ zu sein. Vielmehr noch, sind sie davon überzeugt, dass ihre Erfolge rein zufällig oder das Ergebnis von Glück sind. Dieses Phänomen ist unter Führungskräften weit verbreitet. Sollte es Dir genauso gehen, ist es umso wichtiger, dass Du Dich regelmäßig reflektierst. Denn, wenn Du Dich selbst anerkennst und Deine eigenen Erfolge wertschätzt, wirst Du insgesamt selbstbewusster und authentischer in Deiner Führung.
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Die Bedeutung von Feedback: Wir tendieren dazu, uns in unserer eigenen Perspektive zu verlieren. Führungskräfte, die sich nicht aktiv Feedback (positiv, wie negativ) einholen, verlieren den Kontakt zu den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Mitarbeiter. Feedback ist ein unschätzbares Werkzeug der Selbstreflexion. Dabei muss es nicht nur von außen kommen, sondern kann auch durch die eigene Reflexion erfolgen. Frage Dich daher selbst regelmäßig: Wie nehme ich meine Führung wahr? Wie wirken meine Entscheidungen auf andere? Diese Fragen können Dir helfen, Dich als Führungskraft weiterzuentwickeln und ein authentisches Vorbild zu sein.
Die häufigsten Herausforderungen der Selbstreflexion bei Führungskräften
Trotz des Wissens um die Bedeutung der Selbstreflexion ist es für viele Führungskräfte eine Herausforderung, sich selbst ehrlich zu hinterfragen. Viele meiner Klienten berichten mir davon, wie schwierig ist es, ehrlich mit sich selbst zu sein.
Warum ist das so?
Das liegt nicht nur an Zeitmangel, sondern auch an psychologischen Blockaden, die viele Führungskräfte erleben:
- Angst vor Schwäche: Viele Führungskräfte sehen Selbstreflexion als Schwäche. Sie haben Angst, als unsicher oder inkompetent wahrgenommen zu werden, wenn sie sich selbst hinterfragen.
- Mangelnde Zeit: Der Arbeitsalltag ist oft so überladen, dass es kaum Raum für innezuhalten und sich selbst zu reflektieren gibt. Doch gerade in hektischen Zeiten ist es entscheidend, sich selbst immer wieder bewusst zu machen, wie man agiert und welche Auswirkungen das auf andere hat.
- Falsche Selbstwahrnehmung: Zu oft verlassen sich Führungskräfte auf ihre eigene Wahrnehmung der Dinge. Sie sehen sich als perfekte Entscheider oder als starke Führungspersönlichkeiten, ohne Raum für Kritik oder Selbsterkenntnis. Hier hilft es, mit einem Mentor oder Coach zu arbeiten, um eine objektivere Sichtweise zu entwickeln.
Wie du als Führungskraft die Selbstreflexion in deinem Alltag integrieren kannst
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Nimm Dir regelmäßig Zeit für Dich selbst: Selbstreflexion benötigt Raum und Zeit. Plane regelmäßig feste Zeiten ein, in denen Du bewusst innehalten kannst. Es kann schon eine kurze Auszeit oder ein strukturiertes Journaling ausreichen, um die richtigen Fragen zu stellen und die eigenen Antworten zu finden.
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Hole Dir Feedback von anderen: Feedback von Kollegen, Mitarbeitern oder Mentoren ist ein wertvoller Spiegel, der Dir hilft, blinde Flecken zu erkennen. Ermutige Deine Mitarbeiter, Dir ehrlich zu sagen, wie sie Deine Führung wahrnehmen.
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Stelle Dir Fragen: Frage Dich regelmäßig, welche Entscheidungen Du getroffen hast und warum. Was war Dein Motiv? Welche Alternativen gab es? Diese Fragen helfen Dir, Dein eigenes Verhalten zu analysieren und Dich stetig weiterzuentwickeln.
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Setze klare Ziele für Deine persönliche Entwicklung: Selbstreflexion bedeutet auch, sich Ziele zu setzen, wie man sich als Führungskraft verbessern möchte. Setze Dir konkrete und messbare Entwicklungsziele und arbeite aktiv daran, diese zu erreichen.
Fazit
Der Weg zur authentischen und effektiven Führung beginnt bei der Selbstreflexion. Führungskräfte, die sich regelmäßig hinterfragen und ihr eigenes Verhalten reflektieren, sind in der Lage, nicht nur als Führungspersönlichkeit zu wachsen, sondern auch ihr Team zu inspirieren und langfristig erfolgreich zu führen. Unternehmen, die ihre Führungskräfte zu mehr Selbstreflexion ermutigen, legen den Grundstein für eine nachhaltige Unternehmenskultur, die von Vertrauen, Offenheit und kontinuierlichem Lernen geprägt ist.
Als Führungskraft bist Du das wichtigste Bindeglied in Deinem Unternehmen. Wenn Du Dich selbst erkennst, wirst Du nicht nur ein besserer Leader für Dein Team, sondern auch ein Vorbild für eine ganze Unternehmenskultur der kontinuierlichen Weiterentwicklung.
Bist Du bereit, Dich selbst zu erkennen und den nächsten Schritt in Deiner Führungsentwicklung zu gehen? Lass uns darüber sprechen, wie Du diesen Prozess aktiv in deinem Arbeitsalltag integrieren kannst.