Das innere Team – Die Methode für mehr Klarheit

Das innere Team – Neue Perspektiven gewinnen.

Ob grundlegende Veränderungen anstehen, wir Entscheidungen treffen müssen, in Konflikten verwickelt sind oder mit der Tatsache konfrontiert sind, das wir einfach nicht ins Handeln kommen. Es gibt weitere unzählige Situationen, in denen es nötig wäre, über Verständnis, Klarheit und ein gewisses Zutrauen ins uns und das Leben zu verfügen. Doch zumeist befinden wir uns viel eher in dem Zustand der Unklarheit und Unsicherheit. Wir drehen uns gedanklich im Kreis, haben das Gefühl auf der Stelle zu treten und wissen nicht, wie und welchen Schritt, wir als erstes unternehmen sollten. In diesem Momenten manifestieren sich innere Ängste, Blockaden und Konflikte. Was also können wir tun, um aus dem Stillstand mutig, klar, ziel- und selbstbewusst  hervorzutreten?

Die Antwort: „Lerne Dein inneres Team kennen und erfolgreich zu führen.“

Die Idee – Persönlichkeitsanteile als Teammitglieder.

Schon Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, erfasste bereits ein Jahrhundert zuvor mit seinem Instanzenmodell („Es“, „Ich“, „Über-Ich“), dass wir Menschen mehrere Facetten in uns, unserer Psyche und unserem Wesen tragen. Auch hypnotherapeutische und systemische Ansätze vertreten die Ansicht, dass wir aus unterschiedlichen Persönlichkeitsanteilen bestehen. Dies führt zur Annahme, dass wir im Grunde flexibel agierende und fühlende Menschen sind.

Schulz von Thun, Kommunikationswissenschaftler und Psychologe, griff die Vorstellung innerer Persönlichkeitsanteile auf und entwickelte darauf fußend das innere Team. Unser Selbst wird dieser Methode zufolge als ein System verstanden, innerhalb dessen verschiedene Anteile wirken. Diese Anteile setzen sich aus unseren Bedürfnissen, Erfahrungen, Gedanken, Gefühlen, Haltungen und Wertvorstellungen zu einem Team zusammen. Je nach Zusammensetzung des Teams ergibt sich eine ganz eigene Gruppendynamik, die von den Interaktionen untereinander abhängt. Ob das Gruppengefüge eher förderlich und effizient ist, oder eher destruktiv und hinderlich, ist abhängig davon, an welcher Stelle konträre Wertvorstellungen und Bedürfnisse aufeinander treffen, Widersprüche auftreten, Konflikte schwelen und wie diese bewältigt werden.

Und stellen wir uns nun mal ein klassisches Unternehmen vor, in dem es natürlich für die Leitung eines Team auch eine Führungskraft gibt. Schulz von Thun spricht hier von dem Oberhaupt des Teams. Aufgabe der Führungskraft (Oberhaupt) ist es, das innere Team zu regelmäßigen Meetings einzuberufen und dafür zu sorgen, dass die einzelnen Mitglieder in einen konstruktiven Austausch miteinander treten.

In meinen 1:1 Coachings ist die Führungskraft, das Oberhaupt – der/die Klient/in selbst, mit der ich im Prozess auf die unterschiedlichen inneren Anteile blicke. Dabei nimmt der/die Klient/in eine neutrale und wertfreie Position ein und schaut aus der Vogelperspektive auf sein inneres Team.

Bewusstwerdung – Meet the Team

Wie also können wir nun herausfinden, welche Teammitglieder sich in unserem Selbst befinden?
Mit der folgenden Vorgehensweise, unterteilt in 3 Phasen, lassen sich innere Teammitglieder bestimmen.

1.) Kick – Off: Vorbereitung zum Visioning

Hierfür eignet es sich, Dir nun einen Stift und einen Zettel zur Hand zu nehmen und Dir etwas Zeit einzuplanen. Wahlweise kannst Du auch ein Whiteboard nutzen. In meinen Coachings, Trainings und Workshops  nutze ich gerne Figuren zum Aufstellen, um die inneren Anteile (inneren Stimmen) sichtbarer zu machen. Das bewusste Visualisieren (auch Visioning genannt) der unterschiedlichen Teammitglieder macht es leichter, diese zu bestimmen und ihnen eine Stimme zu verleihen.

2.) Face the problem: Einberufung des Teammeetings.

Bevor das Team vom Oberhaupt zum Meeting einberufen wird, hilft es zunächst das konkrete Problem zu bestimmen. Hilfreiche Fragen können hier sein: „Vor welcher Herausforderung stehe ich gerade?“, „Vor welcher Entscheidung stehe ich?“, „Was in meinem Leben nimmt mir gerade die meiste Zuversicht?“.

Sobald die Problemsituation identifiziert und in wenigen Worten beschrieben ist, geht es nun darum sich nach „innen“ einzutunen.

Mit meinen Klienten/innen oder auch Workshop-Teilnehmer/innen, nutze ich dafür gern meine vorbereitende Übung: Den 5-Minuten Body Check-In.

Dafür nehme nun eine sitzende oder auch aufrecht stehende Haltung ein. Stelle sicher, dass in jedem Fall beide Füße fest am Boden stehen. Schließe nun die Augen und atme dreimal tief ein und aus. Lasse Dir Zeit. Lenke zunehmend Deine Wahrnehmung auf den Bereich der Nasenspitze. Spüre für einige Momente, wie die Einatmung kommt und wie der Atem Deine Nase wieder verlässt. – Und nun spüre Deine Füße fest am Boden. Nimm nun den gesamten Körper wahr. Welche Haltung hast Du eingenommen? Ist diese angenehm oder unangenehm? Wo im Raum befindest Du Dich? Spüre dann etwas mehr in Dich hinein. Wie hoch ist gerade Dein Energielevel? Wie fühlt sich Dein Körper insgesamt an? Was machen Gefühle und Gedanken? – Lenke dann wieder bewusst die Aufmerksamkeit zurück auf Deinen Atem. Stelle Dich nun darauf ein, wieder zurück zu kehren und Dich nun Deinen inneren Stimmen zuzuwenden.

Nun mache Dir erneut Dein Problem bewusst und horch in Dich hinein. Welche Anteile machen sich bemerkbar? Welche Stimmen melden sich in Dir? Mache nun die einzelnen Mitglieder ausfindig und schreibe ihnen eine Rolle zu. Bei der Arbeit mit dem inneren Team, machen sich häufig folgende innere Anteile bemerkbar:

  • Der/die Kritiker/in
  • Der/die Perfektionist/in
  • Der/die Unsichere
  • Der/die Antreiber/in
  • Der/die Mutige
  • Der/die Schwarzseher/in
  • Der/die Lustige
  • Der/die Gewissenhafte
  • …..

3. Problemlösung, Führung und Klarheit

Nachdem die einzelnen Teammitglieder bestimmt wurden, es ist nun für das Oberhaupt an der Zeit jeden einzelnen zur ausgewählten Situation (Problem) sprechen zu lassen. Hierfür eignet es sich wieder, dass Du notierst, was die einzelnen Anteile äußern.

Gehe dabei auch auf folgende Fragen ein:

  • Wer hat das Sagen im Team?
  • Wer treibt das Team an?
  • Wer sorgt für Spannungen im Team?
  • Wer hält das Team gut zusammen?
  • Wie stehen die einzelnen Mitglieder zueinander?
  • Wo werden Widersprüche / Konflikte ersichtlich?
  • Über welche Ressourcen verfügt das Team?

Allein die Bewusstwerdung der einzelnen Teammitglieder und das Zuweisen der verschiedenen Rollen, kann insgesamt schon zu viel mehr Klarheit und Verständnis führen. Um das ausgewählte Problem / Thema zu bearbeiten, gibt es nun unterschiedlich Möglichkeiten.

Ein Weg kann darin bestehen, die einzelnen Mitglieder in einen kreativen Brainstorming-Prozess zu bewegen, um mannigfache Ideen für die Problemlösung zu finden. Sollten allerdings zu viele Spannungen im Team herrschen, könnte der nächste Schritt erstmal darin bestehen, zu schauen, wie die einzelnen Mitglieder besser miteinander in Kontakt gelangen können. Welcher Anteil sollte mehr Gehör finden? Wer sollte sich mehr zurück nehmen? Wessen Position sollte mehr gestärkt werden und durch wen? Über welche Ressourcen verfügt das Team und wie können diese genutzt werden?
Das Oberhaupt bzw. die Führungskraft übernimmt dann also die Funktion des Führens. Daher eignet sich diese Methode auch so wunderbar im Bereich von Teamentwicklung und Führungskräftetrainings.

Je öfter das innere Team zum Einsatz kommt, umso leichter wird es sein schneller klar zu sehen, Probleme und Konflikte zu bewältigen und Entscheidungen zu treffen.

Seit vielen Jahren nutze ich diese Methode in Coachings, Workshops und Trainings und bin nach wie vor eine große Verfechterin des „inneren Teams“ – besonders dann, wenn es zu schwerwiegenden Herausforderungen kommt. Schnell, einfach durchführbar und mit großen AHA-Effekt.

Zusammenfassung: Dein Weg, um Probleme zu lösen und wieder klarer zu sehen.

  1. Nimm Dir Zeit für Dich, bereite Dich vor und halte alle oben beschriebenen Materialien bereit.
  2. Beschreibe zunächst Dein Problem / Deine Herausforderung. Kurz und aussagekräftig.
  3. Tune Dich innerlich ein. Mit meiner Methode 5-Minuten Body Check-In.
  4. Horch in Dich hinein, erfasse die unterschiedlichen Stimmen und erstelle Dein inneres Team.
  5. Weise den inneren Stimmen (Anteilen) Rollen zu.
  6. Betrachte das Team mit dem Blick des Oberhaupts (der Führungskraft).
  7. Lasse sich die Teammitglieder zu Deinem Problem äußern.
  8. Betrachte dabei die Gruppendynamik, wenn möglich lass einen kreativen Brainstorming-Prozess zur Problemlösung entstehen.
  9. Betrachte ob ggf. einzelne Teammitglieder mehr gestärkt werden oder eher in den Hintergrund rücken sollten.
  10. Notiere Dir Deine Ergebnisse.

Viel Erfolg beim Ausprobieren!

Du willst tiefer in die Thematik eintauchen? Dein Problem umfassender klären?

Dann lass Dich von mir in einem 1:1 Coaching begleiten. Gemeinsam decken wir gezielt Deine Herausforderungen und Schwierigkeiten auf, lassen gemeinsam neue Perspektiven, Klarheit und Zuversicht entstehen. Melde Dich doch gleich für ein kostenfreies Erstgespräch an.

 

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Wie soll ich mich entscheiden, ohne es zu bereuen – 5 Tipps, die Dir sofort helfen

Entscheidung

 

„Wie kann ich mich entscheiden, ohne dass ich im Nachhinein denke, es war falsch?“ – Mit dieser Frage kam meine KlientIn letzte Woche in unsere Coaching-Session. Sie mache sie derzeit viele Gedanken, um ihre berufliche Situation und hat Angst davor, sich falsch zu entscheiden. Warum?
Lange Zeit hat sie als Architektin gearbeitet, viele Projekte betreut und ist dafür viel durch die Gegend gereist. Das Geld stimmte und die KollegInnen so weit auch. Doch glücklich war sie nicht. Sie hatte wenig Zeit für sich selbst, ihren Partner und ihre Hobbies. Sie machte erst mal so weiter, bis sie ihr erstes Kind bekam. Die Elternzeit nutzte sie, um sich und ihr bisheriges Leben zu reflektieren. Sie begann sich zu fragen, ob sie damals den richtigen Berufsweg eingeschlagen hatte und was sie eigentlich glücklich mache.

Wie soll ich mich entscheiden? Was will ich eigentlich?

Jetzt ein Jahr später, wo sie wieder ins Berufleben einsteigen will, sieht sie sich damit konfrontiert eine Entscheidung zu treffen. Zurück in den alten Job oder doch was anderes? Vollzeit oder Teilzeit?

Dies ist übrigens eins der häufigsten Probleme, die ich im Coaching beobachte. Die Unwissenheit darüber, was man/frau wirklich will. Wie man sich entscheiden und wohin orientieren soll. Woran das liegt, fragst Du Dich? An der mangelnden Klarheit Deiner Bedürfnisse und Werte. Was jetzt helfen kann? Dir das ganz mal genauer anzuschauen, mit meinen 5 Tipps.

Besser Entscheidungen treffen – so geht´s.

1.) Wenn Du keine negativen Konsequenzen fürchten müsstest, wie würdest Du Dich entscheiden?
Wir treffen häufig keine Entscheidungen, da wir Angst vor den Folgen haben. Wir denken allzu häufig: “ Was ist, wenn ich mich jetzt für Job A entscheide und im Nachhinein merke, dass mir Job B doch eigentlich besser gefallen hätte?“. Die Antwort? Du hast im schlimmsten Fall eine Erfahrung gemacht. Und diese gemachte Erfahrung hilft Dir zukünftig leichter Entscheidungen zu treffen. Denn Du lernst aus Deinen Erfahrungen, was Dir wichtig ist und was Du brauchst, damit es Dir gut geht. Also nimm all Deinen Mut zusammen und triff eine Entscheidung. Mache Erfahrungen. Übrigens – als kleines Gedankenexperiment. Du könntest einmal durchspielen, was die schlimmsten Folgen wären, wenn Du Dich für Variante A und nicht für Variante B entscheidest. Überlege, ob die befürchteten Konsequenzen wirklich ein Weltuntergang für Dich bedeuten würde.

2.) Wie denkst Du in 1, in 5 und 10 Jahren über Deine Entscheidung nach?
Bei Entscheidungen hilft es auch, das große Ganze im Blick zu behalten und dies in Relation zu unserer Lebensspanne zu setzen. So, was würdest Du in einem Jahr über Deine Entscheidung denken? Würdest Du es bereuen oder nicht? Wie glaubst Du, schaust Du in 5 oder 10 Jahren auf Deine Entscheidung zurück? Aus einer längerfristigen Perpektive heraus betrachtet, nimmt der Druck eine „perfekte“ Entscheidung zu treffen, tendenziell ab. Und was ist schon eine perfekte Entscheidung. Du wirst in Anbetracht Deiner Umstände sowieso die beste Wahl treffen. Ausgehend von Deinem jetzigen Erfahrungs- und Wissenstand heraus.

3.) Was ist Dir wichtig? Was sind Deine Bedürfnisse und Werte?
Meist können wir auch nicht wirklich eine Entscheidung treffen, da wir gar nicht wissen, was uns wirklich wichtig ist. Thema Bedürfnisse und Werte. Zunächst solltest Du Dir darüber im Klaren werden, was Du brauchst, damit es Dir gut geht. Privat, wie beruflich. Was macht Dich glücklich? Was willst Du in Deinem Leben? Was ist Dir wichtig? Diese Fragen hinterlassen in Dir gerade eine Leere? Dann schau Dir mal folgende Bedürfnispysramide von dem Psychologen Abraham Maslow an. Damit erhälst Du einen Überblick über Bedürfnisse und kannst einmal für Dich prüfen, in wie fern diese wichtig und derzeit bei Dir im Leben abgedeckt sind. So kannst Du auch reflektieren, wie Du diese mit Deiner Entscheidung erfüllen kannst:

Bedürfnispyramide: Definition und Nutzen

Bildquelle: https://karrierebibel.de/beduerfnispyramide-maslow/

4. Das Entscheidungsspiel: Wirf eine Münze und fühle.
Ein weiterer Weg, um herauszufinden, wie Du Dich entscheiden solltest geht auch spielerisch 🙂 mit einer Münze. Die beiden Seiten der Münze stellen Alternative A und B dar. Wirf eine Münze und dann beobachte. Wünschst Du Dir insgeheim, dass die Münze auf eine Seite fällt? Wie fühlt es sich an, nachdem die Münze auf eine Seite zum Liegen gekommen ist. Fühlt es sich erleichternd und angenehm an? Oder würdest Du Dich besser mit der anderen Seite fühlen? Unsere Gefühle hier beim Münzewerfen können tief blicken lassen. Auf das, was Du wirklich willst und was Dir gut tut.

5. Frage Deine engsten Vertrauten. Dann entscheide.
Es kann übrigens hilfreich sein, das ganze aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten. Frag doch einfach mal Deine engsten Vetrauten um Rat. Welche Gedanken und Gefühle haben sie zu einer Entscheidung? Und dann heißt es wieder nachfühlen. Was lösen die Meinungen der anderen in Dir aus? Kannst Du mitgehen? Wo bist Du anderer Meinung? All dies kann Dir auf Deinem Weg helfen, eine Entscheidung zu treffen, bei der Dein Kopf und Herz zu einem übereinstimmenden Schluss kommen.

Last but not least – gib Dir Zeit.
Um besser entscheiden zu können, gönn Dir etwas Zeit und nimm den Druck raus. Schlaf am besten ein paar Nächte, bevor Du eine Entscheidung triffst. Und Wisse – Nichts ist in Stein gemeisselt. Selbst, wenn Du Dich jetzt für einen Job entscheidest und sogar umziehst. Wer sagt denn, dass Du Dich nicht 1 Jahr später wieder neu entscheiden kannst? Du hast es in der Hand und es ist ok, sich auch mal umzuentscheiden.

In jedem Falle will ich Dich ermutigen, eine Entscheidung zu treffen und Erfahrungen zu sammeln. Gutes Gelingen auf Deinem Weg 🙂

Herzlichst Deine Vivien.